Von Polen nach Litauen

Und aus den Wiesen steiget der weiße Nebel wunderbar

Montagfrüh bin ich 4:30 Uhr aufgewacht. Das war gar nicht so schlimm, denn so konnte ich den Tag vollends nutzen und das habe ich auch getan. Mein Tag beginnt im Moment damit, dass ich Cosmo rauslasse, der sich um sein Morgengeschäft kümmert, während ich mir die Zähne vor dem Bus putze. Dann fülle ich mir eine Flasche mit Wasser, und gehe mit Cosmo eine Runde spazieren. Dann gibt’s Frühstück, dann wird Stück für Stück das Auto für die Fahrt vorbereitet (= alles an seinem Platz verstaut, sodass nichts herumfliegt) und die Route noch mal gecheckt.An diesem Morgen war es total nebelig, was ich sonst so von dem heißen Polen gar nicht erwartet hätte. Teilweise konnte ich kaum 30 Meter weit gucken. (Das hindert die Autofahrer t

Cosmo pennt gemütlich, während ich mich am Internet ergötze

rotzdem nicht am Drängeln.) Ich fuhr etwa 100km bis nach Olsztyn, wo ich mal wieder einen McDonald’s aufspürte, wo ich sogar IM Bus das Wlan benutzen konnte – ein Traum. Was folgte waren mehrere Stunden bloggen, essen, netflix gucken, mit allen schreiben und so tun, als gäbe es die Außenwelt nicht.

Obwohl ich knappe 3h auf dem Parkplatz zugebracht habe, war es erst um 12 Uhr, als ich mich wieder auf den Weg machte. Der große Vorteil davon, so früh aufzustehen! Während meiner Internetzeit reifte der Plan, am Sonntag noch Polen zu verlassen. Also bin ich wirklich noch die restlichen 300km bis kurz hinter die litauische Grenze gefahren.

Eine kurze Review zu Polen

So richtig viel kann ich zu Polen gar nicht sagen, denn ich bin ja nur in 3 Tagen einmal von West nach Ost durchgerast. Die Leute, mit denen ich Kontakt hatte, waren sehr nett. Die Straßen waren teilweise super und teilweise so, dass sie vor allem Cosmo Angst gemacht haben. Ich war allerdings sehr entzückt von den kleinen vielen Dörfern. Die Häuser haben teilweise so viel Grundstück drum rum, das hat mich irrwitziger Weise stark an die USA erinnert. (Interessanterweise habe ich generell eine merkwürdige Faszination für den „Wilden Westen“ und Cowboy-Indianer-Büffel gespürt, gab zumindest ziemlich viele Themenrestaurants.) Am schönsten fand ich eigentlich die kleinen Stadttor-Bauten, meistens so kleine stark verzierten Pfeiler am Stadteingang oder auch die kleinen Heiligenaltare am Straßenrand, die mit Blumen und Bändern geschmückt sind.

Am furchtbarsten fand ich die LKW-Fahrer. Gott, die fahren so schnell, vor allem auf den engen Straßen – wenn die als Gegenverkehr an mir vorbeisausen, wackelt der ganze Bus und der Rückspiegel wird direkt an die Scheibe gedrückt. Selbst wenn sie mich überholen, werde ich einfach vom schieren Wind aus dem Weg gedrückt (das aber eher auf der Autobahn), also gilt beim Fahren immer höchste Konzentration und das Lenkrad wird immer richtig festgehalten.

Ein litauischer Willkommensgruß

Auf Instagram hab ich auch ein wenig gejammert, dass ich mich mit dem Nachtlager finden so schwer tue, da hat mir jemand Liebes einen guten Rat für eine App gegeben, die alle möglichen Stellplätze – kostenpflichtig und gratis – zeigt, mit kurzer Beschreibung und pipapo. Das wollte ich gleich mal ausprobieren und habe mir einen Platz kurz hinter der Grenze vorgenommen. An einem See und kostenlos würde er laut App sein und ich wurde nicht enttäuscht! Vor allem nach 400km Fahrt war ich so durch, dass mich der Platz richtig geflasht hat.

Im Endeffekt war es nur ein Parkplatz am See. Aber die Sonne ging gerade unter, Hinz und Kunz (vor allem Einheimische) badeten in dem See, das Wasser war warm, Wald war drum herum, neben mir noch zwei deutsche Camper … Als ich mit Cosmo im Wasser spielte, war ich von Glücksgefühlen so überrollt, ich hätte am liebsten geweint.

Abends hat es dann noch geregnet, das erste Mal im Bus, und ich hab schön was gekocht, einen Film geguckt und schlussendlich einfach mit Cosmo in der Fahrerkabine gesessen und aus dem Fenster den Kindern beim Baden im Regen zugeguckt.

Die anderen beiden Camper waren Magda(lena) und Torsten, ein Paar aus dem Eiffelgebiet mit ihrem 8 Monate alten Sohn Jascha. Da sich ihre Elternzeit gerade um 2 Monate überschneidet, haben sie kurzfristig entschieden einen bereits ausgebauten Bus gekauft und fahren damit als Reiseziel „einmal um die Ostsee“. Ob das dann auch wirklich so wird, möchten sie aber lieber spontan entscheiden. Die beiden waren meine ersten Camperbekanntschaften und wir haben uns sehr lieb unterhalten und ich konnte noch so einige Tipps abstauben, da vor allem Torsten schon ziemlich erfahren in Sachen Vanreisen ist. Vielen Dank ihr beiden, ihr habt meine erste Nacht in Litauen noch um einiges schöner gemacht 🙂

Der nächste Morgen begann eigentlich wie ein Traum. Mit Cosmo übers Feld, danach im See schwimmen, Yoga am Steg, doch als ich endlich losgefahren bin …

Der Morgen des Schreckens

… war alles noch ganz normal, obwohl ich da schon kurz ein Licht im Armaturenbrett habe blinken sehen. „Hö? Hat da etwa gerade das ABS-Licht geblinkt?“, dachte ich noch, was umso mehr ein Scherz ist, da das Auto natürlich gar kein Allradantrieb hat. Aber während ich mitten auf der Autobahn fahre, wird das Auto schlagartig langsamer, als ob jemand einen heftigen Gegenwind eingeschaltet hätte. Oder als ob beim Gas geben einfach nichts mehr passiert, denn genau das war der Fall. Und nicht die ABS-, sondern die Vorglühenlampe leuchtete. Halbwegs panisch setzte ich also den Blinker, fuhr rechts ran, Warnblinker an, Motor aus. Was nun? Wie wär’s mit Motor wieder ein? Funktioniert auch, okay, na dann mal weiter. Ein paar hundert Meter weiter wollte das Gas wieder nicht, Lampe an, Lampe sofort wieder aus, Gas geht wieder. „Okay“, denke ich, „das ist scheiße. Werkstatt, ich brauche eine Werkstatt. Vielleicht eine Tankstelle. Oder wenigstens Wlan, um zu gucken, was das Problem sein könnte.“ Am liebsten eigentlich Wlan, um selbst erstmal eine Ahnung zu haben, woran es liegen könnte, bevor ich in eine Werkstatt fahre und übers Ohr gehauen werde.

Das nächste Straßenschild zeigte eine Werkstatt in 800m, alles klar, doch die Werkstatt, aber in 800 sah ich nichts, also ging‘s erstmal weiter. Das Spiel mit Gas weg, Lampe an kam noch zwei Mal, dann war Ruhe. Ich wollte unbedingt Wlan haben, bei den meisten Werkstätten, an denen ich vorbei fuhr, war ich nicht mal sicher, ob das nicht eher Autohäuser sind und irgendwie war ich viel zu geschockt, um einfach zu fragen. Also fuhr ich stur 50km weiter bis zur nächsten Stadt, das Auto lief, ich suchte mir einen McDonald’s und fuhr auf den Parkplatz. Gerade noch rechtzeitig, ehe ein Platzregen einsetzte. Ich überlegte noch näher am Gebäude zu parken, um eventuell sogar Internet im Bus zu haben, aber plötzlich wollte die Batterie gar nicht mehr. Hä? Was ist denn nun?

(Während ich den Regen abwartete, stellte ich übrigen fest, dass es bei zwei Stellen durch die Türen in den Innenraum läuft und das nicht gerade wenig. Bei dem leichteren Regen gestern Abend war das kein Problem gewesen. Darum kümmere ich mich aber später ….)

Also habe ich den ADAC gerufen. Die Batterie ging inzwischen wieder, aber trotzdem war ja irgendwas faul. 2,5 Stunden später kam der gute ADAC-Typ auch endlich – seit dem Anruf bei der Zentrale war mein Empfang wie vom Regen weggespült gewesen und er hatte versucht mich anzurufen. Keiner rangegangen, also ist er auch nicht losgefahren. Aber er war eigentlich total lieb, hat zwar nur Russisch und Litauisch gesprochen, aber wir haben uns schon verständigt, zum Schluss mit einem Online Übersetzer. Als ich vorher die Fahrerkabine komplett geräumt hatte, war mir aufgefallen, dass die Plastik von der Warndreieckpackung, die auf der Batterie lag, ein wenig angeschmort war. Die Isolierung vom Batteriekabel war an der Stelle ein wenig runter gewesen. Als ich dem Handwerker das gezeigt hat, hat er gleich genickt, daran etwa 5 Minuten rumgeschraubt und den Schaden dann als behoben deklariert. Tatsächlich, der Wagen sprang dann auch wieder an. Leider musste ich danach erstmal mit dem Hund raus, der ja nun seit 5 Stunden oder so im Bus eingesperrt gewesen war, wir konnten ja nicht so richtig weg, das heißt, ich hoffe, dass die Batterie jetzt auch wieder anspringt …!

Kaunas als Stadt ist auf jeden Fall wunderschön. So schön sogar, dass die Hunderunde viel länger wurde als geplant und so spontan, dass ich kein Handy für Fotos dabei hatte, tut mir leid. Jetzt werde ich mir aber erstmal einen Schlafplatz für die Nacht suchen! Gute Nacht, ihr Lieben!

PS: Heute habe ich das erste Mal zu Cosmo „Komm, lass uns nach Hause gehen“ gesagt <3

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… wie habt ihr den Bus denn nun zu Beginn der Reise getauft? (oder habe ich da etwas überlesen?) Ich wünsche dir und Cosmo gute Fahrt und einen guten Start ins Abenteuer Freiheit … und dass so selten wie möglich unheimliche Lämpchen am Fahrerpult aufleuchten und es dir gelingt nun neben dem Batteriekabel auch die zwei undichten Stellen an den Türen zu isolieren. Ich würde dir gerne Tipps geben, wenn ich auch nur einen Funken Verständnis für Handwerk hätte … das tut mir leid, ich bin absolut kein Überlebenskünstler, aber ich kann dir zumindest mental und mit gewisser Anerkennung auf… Read more »