Die letzte Strecke bis nach Tallinn

Nachdem Torsten mir einen kleinen Hinweis gegeben hat, wie ich unter anderem an Frischwasser kommen könnte, habe ich mir einen Friedhof in einer Kleinstadt vielleicht 50km hinter Kaunas ausgesucht. Ja, genau, ein Friedhof, denn die sind oft an die Wasserversorgung der Stadt angeschlossen – darauf muss man erstmal kommen, was? Die Fahrt ging nach unserer kleinen Katastrophe einwandfrei über die Bühne und auch jetzt, vier Wochen später, läuft Lola wie geschmiert.Ich finde also diese wunderschöne Kleinstadt mit einem atemberaubenden Friedhof. Dafür, dass in dem Ort gefühlt 300 Leute wohnen, warten sie bei ihren Grabsteinen ganz schön auf, oder? Jeder ist ein Unikat und – auffällig – die meisten sind in einem hohen Alter verstorben. Daraus schließe ich jetzt entweder, dass die Jugend flieht, sobald sie selbst Bratkartoffeln machen können, oder dass hier einfach alle sehr gesund leben. Dass die Blumen bei den Megatemperaturen überhaupt so schön blühen, ist auf jeden Fall der guten Pflege zu verdanken. Als wir 22 Uhr dort ankamen, ging gerade die letzten und als ich morgens halb 6 aufstand, kamen bereits die ersten.

Aus meinem schönen Plan, mir dort Wasser abzuzapfen, wurde übrigens nichts, denn was entdeckte ich dort? Einen Brunnen – sogar mit Eimer! Ich fühlte mich zwar wie ein Stadtkind im Film, aber trotzdem habe ich mich nicht getraut, das Wasser zu trinken. Ab geht es also nach Lettland!

Kleiner Zwischenstopp in Riga

Hier der Seitenstreifen. Gaaaanz da hinten im Bild überholt gerade jemand, aber das kann man wohl nicht erkennen 😀

Zu Beginn ein kleiner fun fact über Lettland: Obwohl die Straßen einspurig sind, gibt es auf jeder Seite einen schätzungsweise 1,5m breiten Seitenstreifen, zu dem die Straßenmarkierung nicht durchgehend ist. Dieser wird von allen Teilnehmern dazu genutzt, um Überholmanöver einfach zu gestalten. Zuerst dachte ich, was geht denn hier ab, als mich mal wieder ein LKW etwas haarscharf überholte, aber dann habe ich bei anderen gesehen, wie sie, wenn sie überholt wurden, ganz entspannt auf die Seite auswichen. Und wirklich: Das hat das Fahren derart entspannt gemacht! Ich musste mich überhaupt nicht mehr schlecht fühlen, weil ich den Verkehr aufhalte, denn dadurch gab es ständig gute Möglichkeiten, mich zu überholen. Selbst wenn das Auto auf der gegenüberliegenden Spur nicht auswich, hatten durch den Seitenstreifen knapp zwei Autos nebeneinander auf ihrer Spur Platz.

Da ich ein bisschen in Zeitnot steckte, was meine Ankunft in Tallinn betraf, hatte ich leider keine große Zeit für Lettland. Trotzdem wollte ich einen Zwischenstopp in Riga einlegen. Zwei Stunden parken – das kann man mal bezahlen. Wie durch ein Wunder habe ich sogar einen superguten Parkplatz direkt neben der Innenstadt gefunden, aber ja 2€/h und 2,5€ für jede weitere 😉 Da bin ich dann doch nur 1,5h geblieben. Trotzdem scheint Riga eine super schöne Stadt voll mit jungen Leuten zu sein!

Mein Highlight in der kurzen Zeit: Eine Armada aus Bear Buddies, einer schöner als der andere! Ich erspare euch aber mal die eine Million Fotos, die ich von denen gemacht habe 😉
Cosmo in Riga

Nachdem ich noch eine Kleinigkeit im Bus gegessen habe, ging es weiter zu einem Campingsplatz, den ich mir 30km nördlich von Riga ausgeguckt hatte. Eigentlich hatte ich gesehen, dass es dort in der Gegend, direkt am Wasser, mehrere kostenfreie Stellplätze gibt, aber die hab ich ums Verrecken einfach nicht gefunden. Ständig bin ich in irgendwelche Wohngebiete gefahren, wo sich die Straßen dann im letzten Moment als Sackgasse zu einem Privatgrundstück herausstellten. Deswegen bin ich schließlich den ersten ausgeschilderten Campingplatz angefahren, den ich gesehen habe und habe mit zusammengebissenen Zähnen meine 10€ für die Übernachtung bezahlt. 10€! Dafür, dass ich mein Bett mitbringe! Ich hab in Hostels schon 8€ und weniger bezahlt …

Campingplätze bieten halt verschiedene Aspekte: Toiletten (oft Dixies), Duschen, Stromanschluss, Frischwasser und manchmal noch Freizeitaktivitäten. Ich brauche weder Toiletten, Duschen, noch Stromanschluss, nur Frischwasser wäre interessant für mich, aber dafür gibt es auch andere Lösungen. Na ja, am nächsten Tag habe ich die kostenfreien Stellplätze gesehen, die einfach noch weiter nördlich waren, und die lagen aber so nah an der Straße, dass ich mit dem Campingplatz doch ganz zufrieden war. Ich hatte ein schönes, schattiges Plätzchen, hab mir Essen gekocht und auf meinem Laptop einen Film geschaut, haha. Aber das Highlight ist eigentlich hinter den ganzen Bäumen. Da liegt nämlich der Rigaische Meerbusen <3

Sonnenuntergang

Den Sonnenuntergang mit Cosmo zu genießen, war eine kleine Herausforderung, denn um uns herum waren viele Familien mit Kindern, also konnte ich ihn nicht freilaufen lassen. Wenn wir uns dann noch zusammen hinsetzen, geht er automatisch in den Wachhundmodus und grummelt bei jedem, der in unsere Richtung guckt. Am nächsten Morgen war ich allerdings wieder ganz früh wach und so hatten Cosmo und ich den Strand für uns alleine. Da konnten wir zusammen richtig toben! Obwohl so eine ruhige See ja doch eher zum gedanklichen Abschweifen einlädt …

Sonnenaufgang

Nach den vergangenen Marathonstrecken waren die letzten 280km auch kein Problem mehr und so kamen wir nach einer Woche überglücklich endlich in Tallinn an. Wie es mir dort erging, erfahrt ihr im nächsten Post!

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