Was seit dem letzten Post geschah …

Okay, ich verspreche, die dramatische Pause seit dem letzten Post hat nichts zu sagen! Ich war mir irgendwie nicht so richtig bewusst, wie viel Zeit schon wieder vergangen ist … Generell werde ich den Blog inhaltlich auch ein wenig umgestalten und nicht einfach nur Reiseberichte schreiben. Der ganz simple Grund dahinter ist der, dass ich bereits handschriftlich Tagebuch schreibe und mir zwei Journals zu zeitaufwendig sind. Da könnte ich ja kaum noch was Neues erleben, wenn ich nur damit beschäftigt bin, das Alte zu dokumentieren 😉

Trotzdem möchte ich euch vorher ein kleines Update geben, was seit dem letzten Post so alles passiert ist. Davor möchte ich mich noch mal für all die lieben Nachrichten bedanken, die ich als Reaktion auf den letzten Beitrag erhalten habe! Das war wirklich sehr lieb von euch <3

Baltikum

In meiner Erzählung bin ich ja darauf stehen geblieben, wie das Wasser in den Bus getropft ist. Ich dachte schon, jetzt ist alles aus und vorbei, da lud mich Märt, ein Freund von Elen, zu sich und dem Farmgrundstück seiner Familie ein, wo ich noch eine Woche bleiben durfte. Dort konnte ich erstmal mit einer Plane versehen die Regentage abwarten und schließlich noch mal eine Schicht Silikon nachziehen.

Doch nicht nur dass Märt und seine Familie super lieb waren, ich umsonst in ihrem Gästezimmer schlafen und mich frei aus ihrem Garten bedienen durfte, gerade als ich weiter ziehen wollte, passiert gleich das nächste Missgeschick. Mir war wieder eingefallen, dass man ja ab und zu Öl nachgießen sollte – gedacht, getan – schwupps, ein ordentlicher Hieb rein … Ach, den Stand kann man irgendwo ablesen? Ups.

Natürlich hatte ich viel zu viel nachgegossen und jetzt war meine Sorge groß. Während ich schon den Tränen nahe war, führte Märt mich einfach zu seinem Großvater, der früher der Chefmechaniker der lokalen Agrarmaschinen gewesen ist und immer noch eine top ausgerüstete Werkstatt in der Garage hat. Dieser über 70-jährige Mann, der mich vorher noch nie gesehen hatte, ließ ohne zu zögern alles stehen und liegen, bockte den Bus auf und kroch drunter und ließ das Öl ab. Dabei fiel ihm auf, dass auch an meinem Rad irgendein Schanier oder dergleichen lose war (bitte fragt mich nicht nach Details …!), woraufhin er sicher zwei Stunden damit verbrachte, die festgerosteten Radschrauben zu lösen (dabei sind zwei Schraubenschlüssel einfach zerbrochen!), das Ersatzteil aus Restmetall zu bauen, und alles wieder zu reparieren. Und ich? Ich sollte auf einem Stuhl daneben sitzen, am liebsten noch nicht mal einen Schraubenzieher anfassen, und war völlig sprachlos über so viel Hilfsbereitschaft. Und wer weiß, was sonst hätte unterwegs passieren können? Das war wirklich ein riesen großes Glück im Unglück.

Die Weide zwischen dem Grundstück von Märts Familie und dem Meer ist ein Naturschutzgebiet. Dafür haben sich vor allem Märts Eltern selbst stark gemacht. Die Anwohner müssen ihren Beitrag leisten, um das Areal als Lebensraum für viele Tier, vor allem Vogelarten zu erhalten.

Ich blieb noch ein paar Tage in Estland, aber es folgte dann schon relativ bald der Tag, an dem ich beschloss, meine Reisepläne zu ändern, weil meine Gesundheit nicht mitspielen wollte.

Österreich

Wie angekündigt, sollte das nächste Ziel also Wien sein, wo ich eine Magenspiegelung machen wollte. Schnurstracks bin ich also wieder mal durch Polen gedüst, habe gerade mal für eine Dusche angehalten und bin 3 Tage später in Wien angekommen.

So unterschiedlich können zwei Nächte hintereinander aussehen!

Ich beabsichtigte zwar, telefonisch einen Termin auszumachen – gerade weil wir annahmen, dass wir wohl wochenlang auf einen Termin warten müssten – aber ich bekam immer nur zu Antwort, dass ich erstmal bei einem Allgemeinmediziner vorsprechen müsse, der mich dann überweisen könnte. Noch bevor Viktor aus Serbien in Wien eintreffen konnte, war ich also bereits beim Hausarzt gewesen und bin mit dessen Überweisung direkt zwei Etagen im Ärztehaus runter marschiert und bekam einen Termin zur Magenspiegelung für 4 Tage später! Ein Wunder!

Leider – oder zum Glück – ist dabei nicht viel herausgekommen und die Ärztin war auch nicht sonderlich verständnisvoll. Auf meiner Diagnose steht ohne Witz: Veganerin. (Wer also Infos über eine Gastroskopie braucht, wo man nicht hingehen sollte … Mails zu mir!) Grundsätzlich kann ich aber sagen, dass es mir trotzdem seither viel besser geht. Ich schätze mal, der Begriff „Stressreduzierung“ war hier von großer Bedeutung.Viktor und ich haben zwei Wochen in Wien verbracht, wobei wir allerdings nur ganz selten ein wenig Sightseeing in der Innenstadt gemacht und stattdessen einfach die Zeit zusammen genossen haben. Wir parkten ganz entspannt oberhalb der Donau, haben am Wasser gefrühstückt und Karten gespielt und uns gefreut, wieder beieinander zu sein. Auch ein Grund, weswegen wir so lange in Wien waren: Der Ventilator war zum zweiten Mal undicht. Es gab mal wieder eine sehr regenreiche Woche und in der ersten Nacht tropfte es plötzlich überall durch. Die halbe Nacht waren wir wach und haben Handtücher und Küchenrolle dagegen gehalten … Im Nachhinein eine sehr romantische und schöne Erinnerung! Am nächsten Morgen haben wir uns direkt eine Plane aus dem Baumarkt geholt und mussten wieder warten, bis das Wetter besser wurde, um aufs Dach zu kommen. Wir hatten aber wirklich Glück: Wir bekamen von sehr hilfsbereiten Menschen kostenlos eine Leiter zur Verfügung gestellt und wurden danach direkt noch auf einen Kaffee eingeladen. Dieses Mal habe ich alle Schrauben, jeden Winkel und Schlitz mit Silikon zugekleistert – und bis jetzt tropft nichts mehr!

Außerdem haben wir unsere ersten Reisebekanntschaften gemacht! Julia und Markus, die auch einen Instagramaccount mit ihrem VW-Bus betreiben, haben unseren Bus in Wien gesehen und wir haben uns getroffen. Zwei ganz liebe, interessante Menschen und damit auch ein sehr unterhaltsamer Abend! Die beiden sind mit ihrem Hund Fridolin in einem T3 unterwegs, wenn ihr sie auf Instagram besuchen wollt, haltet nach @wildroadtrippin Ausschau.

Einen Abend haben wir uns im Prater vergnügt!

Wir bekamen den Tipp, westlich aus Österreich rauszufahren, um die schöne Landschaft zu genießen. Das taten wir und sahen bald ein Plakat für Österreichs größtes Mittelalterfest in Eggenburg. Spontan änderten wir den Kurs Richtung Norden und hatten einen wunderbaren Sonntag in Eggenburg! Die ganze Innenstadt verwandelt sich jedes Jahr zu diesem Anlass für ein Wochenende in eine Mittelalterhochburg mit Ständen, Shows, Attraktionen … Leute kommen verkleidet und leger, es gibt tolles Essen und die alte Innenstadt ist einfach das ideale Ambiente dafür. Das war bisher echt ein Highlight!

Wieder auf dem Weg nach Süden verbrachten wir mehr aus Zufall auch fast eine Woche in Sankt Pölten. Man kann fast sagen, dass wir dort ein bisschen feststeckten – nicht mit dem Auto, sondern mehr in unseren Köpfen. Viktor musste sich entscheiden, ob er zurück auf sein Rad wollte, wohin ihn die Reiselust trieb … oder ob es vielleicht doch eher ein Workaway werden sollte, oder gar ein Job in Deutschland? Und auch ich musste mich ordnen und mehrere Tage verbrachten wir mit ein bisschen Arbeit, lesen, nachdenken, Pläne zu Papier bringen, wieder verwerfen … Schlussendlich entschied Viktor, zurück nach Serbien zu fahren, sein Rad zu holen und seine Radreise fortzuführen bis nach Griechenland. Leider war sein Rad bisher schon sehr oft kaputt gegangen, so wie auch eine seiner Radtaschen. Diese hatte er extra mitgebracht für den Fall, dass wir einen Vertriebshändler seiner Taschen finden würden, wo er ein passendes Ersatzteil kaufen könnte. Der nächste Händler war in Maribor, Slowenien. Also wurde das unser nächstes Ziel.

Immerhin einen schönen Sonnenaufgang gab’s in St. Pölten! Ansonsten hat die Stadt leider nicht so viel zu bieten …

Slowenien

Die Fahrt nach Maribor ging eigentlich noch mehr durch Österreich und wir kamen in den Genuss von unzähligen Wow-Aussichten. Die Berge waren für Lola nicht ohne, aber sie hat alle ohne Probleme gemeistert! In Maribor bekam ich einen kleinen Eilauftrag und so entschied Viktor sich, den nächsten Bus nach Serbien zu nehmen. Damit fiel auch unser Abschied kurz und vielleicht ein kleines bisschen schmerzloser aus. Trotzdem fällt uns das „Bis Bald!“ immer wieder schwer und ich kann nur froh sein, mit Cosmo zu reisen, an den ich mich dann ankuscheln kann, wenn der Bus mit meinem Liebsten um die Ecke gefahren ist …

Wieder einmal verbrachte ich mehrere Tage an einem Ort, um zu arbeiten. Da ich im Moment vorrangig Abschlussarbeiten korrigiere, wird das Ende eines Monats immer besonders stressig und ich kann meine Umwelt dann kaum aufnehmen. Es wurde auch schon ganz schön kalt nachts, 4°C, und ich musste das erste Mal den warmen Schlafsack auspacken und meinen Kopf bedecken. Und ich bekam eine überraschende Nachricht: Viktor wollte den Plan der Radreise doch erst einmal aufgeben und zurückkommen! Für die paar Tage bis er wieder bei mir ankommen sollte, suchte ich mir einen wunderschönen Standort und zum ersten Mal kam das Urlaubsfeeling auf. Bis hierhin hatte ich ständig an so vielem gezweifelt. Besorgnis und Unsicherheiten waren unterschwellig immer mit dabei gewesen, sodass ich im Nachhinein nicht mal eindeutig benennen kann, woher sie kamen. Ich schätze, dass die Umstellung und das Zurücklassen alter Sorgen doch einfach etwas länger gedauert hat.Im Gespräch mit anderen stelle ich fest: Wenn Leute nicht nachvollziehen können, warum es mir nicht von Tag 1 an super gut ging, dann verstehen sie nicht, dass Reisen und Urlaub machen nicht ein und dasselbe sind. Urlaub machen ist abschalten, sich um nichts kümmern zu müssen, vielleicht auch mal einen Euro mehr ausgeben, sich etwas gönnen und an nichts Schlimmes denken müssen. Reisen hingegen ist, sich selbst um die selbstverständlichsten Sachen kümmern zu müssen, aktiv an sich und seinem Leben zu arbeiten, am liebsten gar keinen Euro ausgeben und das Sich-etwas-Gönnen-Gefühl aus den Kleinigkeiten der Natur und des Alltags zu ziehen. Reisen ist daher sehr belohnend, aber eben nicht einfach. Wenn man versucht, herauszufinden, was man will und sein Leben dahingehend ändern möchte, muss man sich unbequemen Fragen stellen und diese auch beantworten. Es gibt keine Routine, in die man sich stattdessen hineinflüchten kann. Und genau dafür können wir nur dankbar sein: Dass wir die Möglichkeit dazu haben, uns diese Auszeit zu nehmen. Darüber bin ich mir auch in diesen wenigen Tagen bewusst geworden und das hat mich sehr entspannt. Ich hatte einfach keine Lust mehr, alles mit Sorge zu betrachten: Wozu denn auch? Das bringt mich ja nur dazu, nie einfach zurückzulehnen und den Moment genießen zu können. Wie viel Zeit ich verschwendet habe damit, jede Entscheidung 15 Mal hin und her zu wiegen … Ich mag gar nicht mehr daran denken! 😉

Als ich Viktor dieses Mal vom Bus abholte, war ich wie ein völlig neuer Mensch: selbstbewusst, direkt, entspannt. Wir suchten uns einen wunderschönen Platz an einem See, um zu entscheiden, wie unsere weitere Route aussehen sollte. Als ich in Sankt Pölten darüber nachdachte, wie ich mein Leben jetzt gerade weiter gestalten möchte, bin ich nicht mehr von dem Gedanken losgekommen, dass ich Menschen heilen können möchte. Das Thema hat mich und meine Mitmenschen schon in so vielen Wegen beschäftigt, dass ich mich schließlich entschied, einen Reiki-Kurs machen zu wollen. Ich suchte daher nach englischsprachigen Reiki-Kursen in ganz Europa, um davon meine Reiseroute abhängig zu machen. Da es in Slowenien so schnell kalt wurde, war klar: Wir müssen uns einen Ort zum Überwintern suchen. Griechenland mit all seinen Inseln erschien uns da einfach ein bisschen zu kalt … Außerdem fand ich keine Kurse und den Balkan hätte ich auch schon gerne in Ruhe gesehen und nicht nur aus dem Fenster.

So sieht es aus, wenn wir uns „Gedanken machen“ 😉

Schließlich bekam ich Antworten von drei Stellen: eine in Italien, eine im Süden von Spanien und eine Barcelona – dort fand der Kurs aber bereits in 5 Tagen statt. Viktor spielte immer noch mit dem Gedanken, doch wieder nach Deutschland zurückzukehren, oder vielleicht in der Schweiz zu arbeiten, doch irgendwann sah er mich abends an, als ob er die ganze Zeit gewusst hatte, was ich innerlich am liebsten wollte. „Lass uns nach Barcelona fahren!“

Weißt du, worauf ich mich freue? Barcelona!!! – 1600km in 4 Tagen

Für normale Autos sind 1600km sicherlich eine lange Strecke, könnte man aber, wenn man wollte, in einem Tag durchziehen. Mit Lola sind 400km an einem Tag schon ein echter Kraftakt. Jeden Tag ging unser Wecker um 5 Uhr und als wir uns 21 Uhr irgendwo einen Parkplatz suchten, waren wir platt wie Briefmarken. Dennoch hatte uns seit unserer Entscheidung eine solche Motivation und Vorfreude gepackt, dass wir diesen Marathon zu größten Teilen mit Hochstimmung und lauter Musik absolvierten. So bald möchte jedoch keiner von uns diese Tortur wiederholen, haha. Nun sind wir in Barcelona und überlegen, den kompletten Winter hier zu bleiben. Da die Luftfeuchtigkeit recht hoch ist und damit auch Kälte in jede Ritze kriecht, wissen wir noch nicht, ob sich das im Bus so gut aushalten lässt. Die meisten Leute empfehlen uns auch, weiter südlich oder sogar nach Portugal zu fahren, aber bisher haben wir uns noch nicht entschieden.

Was würdet ihr uns empfehlen?

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VolkerAndreCaroline RichterAnja Lang Recent comment authors
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Anja Lang
Gast
Anja Lang

Hej Caro, Spanien und Portugal kann im Winter im Bus auch ganz schön kalt und eng werden. Hab erst letzten Winter die Erfahrung gemacht. Aber ne Idee wäre ein Mobilehome auf einem Camping Platz anzumieten. Da kann man bestimmt einen günstigen Preis aushandeln und dort entspannt schreiben und zu sich kommen ohne ständig abgelenkt zu sein mit Grundbedürfnisse stillen. Die Spritkosten mit Platzsuche kommen bestimmt aufs gleiche raus, wir sind 11000 km gefahren weil wir ständig der Sonne hinterhergereist sind. Ich fand’s auf dem Salema Eco Camp toll und Portugal s Strände sind wahnsinnig schön.

Andre
Gast
Andre

Du bist so süß und deine Erzählung ist einfach Klasse:)

Volker
Gast
Volker

Hallo Caro, bin dir über den YT Beitrag hierher gefolgt und wollte meine Bewunderung für deine Entscheidungen und deinen VLOG hier zum Ausdruck bringen. Du schreibst Texte, du machst Fotos und kannst das vermitteln. Leider sind viel zu viele mit einem Fokus auf Videos und Drohnen unterwegs und es gelingt den wenigsten, den Zuschauer in die Worte und Bilder „zu ziehen“. Hut ab dafür. Ich bin etwas „später“ im Leben unterwegs, habe aber auch den Plan in spätestens 18 Monaten ins WoMo zu ziehen. Der Haushalt wird schon jetzt aufgelöst. Glücklicherweise muss ich mich dann um eine geregelte Arbeit nicht… Read more »