Busausbau

Der Busausbau – Teil 3: Alles passiert gleichzeitig

Hinweg mit euch, ihr Radkästen!

Wie in Teil 2 bereits beschrieben, hatten wir nach der ersten Woche die unteren Seiten des Busses mit Armaflex gedämmt und mit ineinander steckbaren Holzleisten verkleidet. In der zweiten Woche kamen dann die Radkästen dazu. Wie ihr sehen könnt, musste die Verkleidung des rechten Kastens ein wenig länger werden, weil hinten rechts in der Ecke der Eingang der Tankfüllung ist und wir uns dagegen entschieden haben, da umständlich drumrum zu bauen für 10cm mehr Stauraum. Man hätte sie auch konisch umbauen können, aber auch da haben wir uns dagegen entschieden, weil der zu gewinnende Platz den Aufwand unserer Meinung nach nicht wirklich gerechtfertigt hätte. Diese Radkästen werden uns aber noch so manches Mal da Leben schwer in der Planung machen …!

Ein schöner Rücken soll auch entzücken

Um das Thema Hecktüren direkt abzuschließen, kam Wolfgang auf die gute Idee, wie man diese von innen verkleiden könnte. Man nehme eine Spanholzplatte, schneide sie passend zurecht, polstere sie mit Luftpolsterfolie, umschlage sie mit Leder – da hab ich mich mal für klassisches Schwarz entschieden – welches rückseitig festgetackert wird. Die Schrauben, mit denen wir die Platte ans Metall geschraubt haben, haben wir mit sogenannten Schrauben-Rosetten (oder Zierscheiben für Senkkopfschrauben) unterlegt, sieht sehr dekorativ aus 🙂

Auch die rechte Tür haben wir natürlich so schön bestückt. Doch, oha, kaum haben wir die Türen geschlossen, bekamen wir sie nicht wieder auf. Was war da passiert? Es hat ein paar Minuten gedauert, bis wir realisiert haben, dass wir den Öffnungsmechanismus “zugetäfelt” haben. Also mussten wir nachträglich noch ein kleines Loch ausschneiden. Sieht zwar nicht mehr so schön aus, aber funktioniert. Try and error-Methode, was?

Wie, jetzt schon ein Bett?

Entgegen meines ursprünglichen Plans, mit der “Inneneinrichtung” erst zu beginnen, wenn am “Rand” quasi alles fertig ist, war Wolfgang davon überzeugt, dass wir langsam festlegen müssen, was wie wohin kommt, damit wir wissen, wohin z.B. die Kabel verlegt werden müssen. “Wir müssen das Bett bauen, denn von der Größe des Bettes hängt alles andere ab”, so seine Worte. Das macht auch irgendwie Sinn und im Nachhinein hat sich das auch als sehr richtig erwiesen – vor allem konnte ich mir dann wirklich die Größenverhältnisse vorstellen. Viele meiner Ideen stellten sich jetzt bereits als unmöglich heraus, weil die Vans, in denen ich diese umgesetzt gesehen hatte, doch anders gebaut, größer, länger, höher waren. Trotzdem kann ich euch sagen, dass es ziemlich schwierig ist, am Dach eines Buses rumzuwerkeln, wenn drunter schon ein Bettgestellt steht! Außerdem habe ich mich die ganze Zeit so gefühlt, als hätte ich noch gar keinen richtigen Plan vom Ausbau, denn dazu wollte ich ja erst im nächsten Schritt gehen, und als würde ich mir jetzt viele Ideen “verbauen”, weil ich mir noch nichts Cleveres für den Bettkasten hatte einfallen lassen. Andererseits habe ich auch jetzt noch keine ausgefuchsten Ideen, bin ja auch kein Möbelbauer und habe sowas noch nie gemacht und ganz ehrlich, ich glaube, so richtig kann man erst einschätzen, was man braucht, wenn man bereits unterwegs ist oder war. In vier Monaten hätte ich sicher genauere Ideen, aber jetzt … keine Ahnung? Von daher ist das einfache Bettgestell, das wir gebaut haben, die optimale Ausgangsposition. Wir haben die Bettpfosten allerdings neben den Radkästen platziert, sodass wir noch in der Lage waren, es während des Ausbaus zu verschieben. Schlussendlich wird es natürlich fest verschraubt werden.

Ich habe mich entschieden, quer zu schlafen. Mit der Verkleidung habe ich etwa 1,75m Platz (ich bin 1,65m), das Bett ist 1,20m breit und wenn ich von quer nach schief liege, passt das schon. Da es für diese Sondermaße keine Lattenroste gibt, haben wir aus 40×40(cm)-Leisten selbst einen gebaut. Eine geile 16cm dicke 9-Zonen-Matraze, die genau dafür passt, habe ich übrigens über Groupon(!) geschossen, wo sie zufällig genau in der Woche, in der ich gesucht habe, irgendein mexikanisches Matratzenlager aufgelöst haben 😀 Die Lieferung war auch überraschend schnell da und jetzt warten sie und ich nur drauf, dass die Baustelle im Bus endlich fertig wird, um endlich mal Probe zu liegen.

Selbst ist Frau

Ohne Wolfgang wüsste ich bei fast allen Sachen überhaupt nicht, wo ich anfangen sollte und wäre wahrscheinlich erst in einem Jahr fertig. Zu sagen, ich habe diesen Umbau unterschätzt, ist wohl ein angebrachtes Eingeständnis. Youtube-Tutorials können einem viel beibringen und prinzipiell kann ich auch mit einer Stichsäge usw. umgehen, aber es gibt halt so viele kleine Kniffe, die Wolfgang aus dem Effeff beherrscht, die er mir zeigt und beibringt, über die ich sonst erstmal zwei Stunden nachdenken müsste oder was im Endeffekt amateurhaft und instabil werden würde. Die letzten Wochen waren daher nicht nur ein Ausbau-, sondern auch ein Lernmarathon. Gerade deswegen bin ich aber immer umso stolzer, wenn ich doch mal was ganz alleine fertigstelle und wenn es noch so kleine Ecken sind. So habe ich zum Beispiel die Trennwand zur Fahrerkabine alleine verkleidet und mich auch dem Stauraum über eben dieser Fahrerkabine gewidmet. Dort oben lagen noch ein paar Restteile, u.a. auch der alte Himmel (also der Stoff an der Decke der Fahrerkabine), der leider etwas Feuchtigkeit angesetzt und damit zu Stockflecken geführt hat. Diese habe ich mit einem speziellem Spray auf Chlosbasis, das auch Schimmelbildung vorbeugt, bearbeitet und eine Nacht auslüften lassen. Mit dem gleichen Leder, mit dem wir die Hecktüren bestückt haben, wollte ich auch hier den Boden auslegen, damit der schön glatt und ordentlich ist. Damit darunter noch etwas Luft kommt – wieder zur Schimmelvorbeugung – habe ich Luftpolsterfolie drunter geklebt. Das Leder wurde einfach festgetackert. Dabei muss ich dazu sagen, dass ich kaum bis in die hinterste Ecke komme, selbst wenn ich auf einem Stuhl stehe. So groß sieht der Stauraum von unten gar nicht aus! Danach folgte eine der schönsten Umbauaufgaben: Bei 32°C auf eben diesem Stuhl bäuchlings über dieses kleine Trennbrett hängend halb kopfüber Armaflex zurechkleben, welches durch die Wölbung in diverse Einzelteile zerlegt werden musste, um wie ein kleines Tetrispuzzle zusammengesetzt zu werden. Das Ergebnis sieht aus wie ein Armaflex-Metzger-Puzzle. Wegen der Wölbung können wir die Ecke nicht mit Holz verkleiden, also bleibt mir dieses Deckenmosaik wohl gut sichtlich erhalten. Na ja, wenn ich es irgendwann nicht mehr aushalten sollte, mache ich einfach einen Vorhang davo 😉

Im Gegensatz dazu ist die Trennwand zur Fahrerkabine richtig schön geworden und ein sehr zufriedenstellender Abschluss für die zweite Woche:

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